FreiraumwelleDL8STWLieber Wellen reiten, als Bits schubsen
Ausschnitt einer rauscharmen Verstärkerbaugruppe in Mikrostreifenleitungstechnik

Schaltungstechnik

Quasi diskreter Spannungsregler

Ein selbst aufgebauter Spannungsregler aus P-Kanal-MOSFET IRF9530N, Operationsverstärker TL072 und einer 2,7-V-Referenzdiode. Nicht besser als ein LM317, aber man kann an jeder Eigenschaft einzeln drehen.

Aufbau auf Lochrasterplatine: oben der Leistungstransistor, in der Mitte ein TL072 im DIL-Gehäuse, rechts ein Trimmpotentiometer, links eine Z-Diode

Eckdaten

RegelelementIRF9530N, P-Kanal-MOSFET
RegelverstärkerTL072
ReferenzZ-Diode 2,7 V
Vorwiderstand der Referenz120 Ω
Einstellung der AusgangsspannungPotentiometer 100 kΩ
AufbauLochrasterplatine · erster Entwurf, bewusst als Versuchsaufbau
AnregungBericht über Robert A. Pease

Ziel

Spannungsregler gibt es bekanntlich wie Sand am Meer. Der LM317 oder die ICs vom Typ 78XX sind wohl die bekanntesten Vertreter. Warum also selber einen bauen, wenn es schon fertige ICs gibt?

Erstens, weil es geht, Spaß macht und man viel dabei lernen kann.

Zweitens, weil man durch den quasi diskreten Aufbau einen viel größeren Freiheitsgrad gewinnt. Es reicht vielleicht nicht immer aus, nur 1,5 A mit einem LM317 regeln zu können. Vielleicht sollen es auch mal über 10 A sein. Oder die Ausgangsspannung muss besonders genau sein. Oder die Dropout-Spannung soll besonders klein werden, die Regelgeschwindigkeit besonders hoch, das Überschwingen bei Laständerungen besonders gering. Es gibt also genug Gründe.

Auf die Idee gebracht hat mich ein Bericht über den leider verstorbenen Robert A. Pease.

Konzept

Ein Spannungsregler besteht im Wesentlichen aus zwei Funktionsblöcken: dem Regelglied, über das die Spannung beziehungsweise der Strom beeinflusst wird, und dem Stellglied, das die Ausgangsspannung überwacht und das Regelglied ansteuert.

Das Regelglied lässt sich mit einem Transistor oder FET im Strompfad aufbauen, bei mir ein IRF9530N. Das Stellglied übernimmt ein Operationsverstärker, hier ein TL072. Er vergleicht die Ausgangsspannung mit einer Referenz, die eine 2,7-V-Z-Diode liefert, und steuert danach das Gate an.

Schaltplan: links der Eingang mit 120-Ω-Vorwiderstand und 2,7-V-Z-Diode als Referenz, in der Mitte der Operationsverstärker TL072, oben der P-Kanal-MOSFET IRF9530N im Strompfad, rechts das 100-kΩ-Potentiometer am Ausgang

Blockschaltbild mit Regelglied im Strompfad und Stellglied, das die Ausgangsspannung mit der Referenz vergleicht

Aufbau

Der erste Entwurf ist auf Lochraster entstanden. Der Regler funktioniert, aber es gibt noch viel zu verbessern.

Aufbau auf Lochrasterplatine: oben der Leistungstransistor, in der Mitte ein TL072 im DIL-Gehäuse, rechts ein Trimmpotentiometer, links eine Z-Diode

An welcher Schraube man dreht

Das ist der eigentliche Gewinn des diskreten Aufbaus. Bei einem fertigen IC bekommt man alle Eigenschaften im Paket. Hier lässt sich jede einzeln beeinflussen:

Eigenschaft Zuständige Komponente
Spannungsfestigkeit Regelelement
Stromfestigkeit Regelelement
Dropout-Spannung Regelelement, dessen R_on
Regelgeschwindigkeit Slew Rate des OPV, Regelschaltung
Spannungsgenauigkeit Spannungsreferenz
Überschwingen Regelschaltung

Das Ganze ist natürlich nur eine Daumenregel, weil sich der ganze Regelkreis gegenseitig beeinflusst. Es macht also keinen Sinn, einen OPV mit superschneller Slew Rate zu verbauen und dann den Regelkreis zu bedämpfen.

Ergebnis

Als Netzteil ist ein LM317 die vernünftigere Wahl: kleiner, billiger, ausgereift. Der diskrete Aufbau lohnt sich dort, wo eine einzelne Eigenschaft aus dem Rahmen fällt, etwa bei sehr hohen Strömen oder besonders kleiner Dropout-Spannung.

Und er lohnt sich, um zu verstehen, was in so einem Dreibeiner eigentlich passiert. Genau dafür habe ich ihn gebaut.