FreiraumwelleDL8STWLieber Wellen reiten, als Bits schubsen
Ausschnitt einer rauscharmen Verstärkerbaugruppe in Mikrostreifenleitungstechnik

Messtechnik

Symmetrische Spannungsquelle mit L165

Eine symmetrische Spannungsquelle aus LM317 und Leistungs-Operationsverstärker L165, erst als Versuchsaufbau, dann als Platine für mein Universalnetzteil. Die Ausgänge stimmen bis auf 0,3 V überein, der Ruhestrom liegt bei rund 40 mA.

· aktualisiert

Fertige Platine des Universalnetzteils von oben: LM317 im schwarzen Kühlkörper, zwei Elkos, Schraubklemmen, Sicherungshalter und ein angeschlossenes Wendelpotentiometer

Eckdaten

Ausgangsspannungsymmetrisch, ab etwa ±6 V · nach unten begrenzt, weil der OPV aus U_Stab versorgt wird
Symmetrie der AusgängeAbweichung bis 0,3 V bei 10 V Eingangsspannung · auch bei einseitiger Belastung
Ruhestromrund 40 mA · im fertigen Aufbau mit Ausgangs-Elkos
SpannungsreglerLM317, Beschaltung aus dem Datenblatt · einstellbar über Wendelpotentiometer P1
SymmetrierstufeL165 (Leistungs-OPV von ST)
Referenzteiler2 × 47 kΩ, 1 % · Toleranz bestimmt die Symmetrie der Ausgänge
Stabilisierungsglied1 Ω in Reihe mit 0,22 µF am OPV-Ausgang
Siebkondensator3300 µF · Faustformel 1000 µF pro Ampere
AnregungBeitrag von DG9WF im FUNKAMATEUR, Heft 4/2010

Ziel

Ein Operationsverstärker wie der TL071 braucht eine positive und eine negative Versorgungsspannung. Ein normales Netzteil liefert nur eine. Ich wollte deshalb eine Stufe, die aus einer einzelnen Gleichspannung eine symmetrische macht, und sie am Ende fest in mein Universalnetzteil einbauen.

Angeregt hat mich ein Beitrag von DG9WF im FUNKAMATEUR, Heft 4/2010.

Konzept

Die Schaltung teilt eine Eingangsspannung in der Mitte und erzeugt so eine virtuelle Masse. Den Teiler bilden zwei Widerstände von je 47 kΩ, ein L165 hält diesen Mittelpunkt niederohmig. Der L165 ist ein Leistungs-OPV von ST, die Beschaltung stammt aus dessen Datenblatt.

Entscheidend für die Genauigkeit sind die beiden Teilerwiderstände: Je besser sie übereinstimmen, desto genauer sind die Beträge von U_Sym+ und U_Sym- gleich. Ich habe deshalb 1-%-Typen genommen.

Im fertigen Netzteil sind es drei Stufen. Nach dem Brückengleichrichter glättet ein Elektrolytkondensator die Gleichspannung, dafür gilt die Faustformel 1000 µF pro Ampere. Eingebaut habe ich 3300 µF. Danach stabilisiert ein LM317, dessen Ausgangsspannung sich über ein Wendelpotentiometer einstellen lässt. Erst dahinter sitzt der L165 als Symmetrierstufe.

Schaltplan der symmetrischen Spannungsquelle: Trafo mit Sicherung und Brückengleichrichter, Siebelko C1, Spannungsregler LM317 mit Einstellpoti P1, Spannungsteiler aus zwei 47-kΩ-Widerständen und Operationsverstärker L165 mit RC-Glied am Ausgang

Aufbau

Zuerst entstand ein Versuchsaufbau auf Lochrasterplatine. Die Grundplatte trägt die Schaltung, eine zweite Platine steht hochkant daran, damit die drei Bananenbuchsen für Plus, Minus und virtuelle Masse Platz finden. Das Ganze ist erstaunlich stabil.

Versuchsaufbau auf Lochrasterplatine, L-förmig aufgebaut: waagerechte Grundplatine mit L165 im schwarzen Kühlkörper, Elkos und Widerständen, senkrecht daran eine zweite Platine mit den Anschlussbuchsen

Rückseite der senkrechten Platine mit drei Bananenbuchsen in Gelb, Blau und Grün, jeweils mit den Beschriftungen Minus, Masse und Plus

Ein Jahr später kam die Schaltung auf eine geätzte Platine für das Universalnetzteil. Der LM317 sitzt jetzt in einem Kühlstern, der L165 an einem Alu-Kühlblech. Die Einstellung der Spannung übernimmt ein zehngängiges Wendelpotentiometer, das über eine Leitung herausgeführt ist.

Fertige Platine des Universalnetzteils von oben: LM317 im schwarzen Kühlkörper, zwei Elkos, Schraubklemmen, Sicherungshalter und ein angeschlossenes Wendelpotentiometer

Dieselbe Platine schräg von der Seite: senkrecht stehendes Alu-Kühlblech, davor der L165 im Kühlstern, dahinter Siebelko und Anschlussklemmen

Messung

Beim Versuchsaufbau habe ich die Schaltung zuerst ohne die Elkos am Ausgang getestet und nicht schlecht gestaunt: Sie zog 400 mA Ruhestrom.

Zum Test habe ich dann die Verbindung zwischen dem 1-Ω-Widerstand und dem Kondensator getrennt. Der Spuk war vorbei, der Ruhestrom fiel auf 100 mA ab. Gleichzeitig stieg aber der Betragsunterschied der beiden Ausgangsspannungen auf über 1 V.

Vollständig nach Schaltplan aufgebaut, also mit den Kondensatoren, läuft sie dann sauber:

Größe Wert Bedingung
Ruhestrom rund 40 mA vollständiger Aufbau
Ruhestrom 100 mA RC-Glied am OPV-Ausgang aufgetrennt
Ruhestrom 400 mA ohne Elkos am Ausgang
Symmetrieabweichung bis 0,3 V bei 10 V Eingangsspannung
Symmetrieabweichung über 1 V RC-Glied aufgetrennt

Die Symmetrie von 0,3 V hält auch dann, wenn nur ein Zweig der Schaltung belastet wird.

Warum die Kondensatoren einen so starken Effekt auf den Ruhestrom haben, ist mir bis heute nicht wirklich klar. Das RC-Glied aus 1 Ω und 0,22 µF dient laut Datenblatt der Stabilisierung, und beide Bauteile sollten möglichst nahe am Ausgang des OPVs sitzen. Der Faktor zehn beim Ruhestrom spricht dafür, dass die Stufe ohne dieses Glied schwingt.

Ergebnis

Die Schaltung tut, was sie soll, und sitzt seitdem fest im Universalnetzteil.

Eine Einschränkung ist geblieben: Weil der L165 seine Versorgung aus der bereits stabilisierten Spannung U_Stab bezieht, lässt sich die symmetrische Spannung nicht beliebig weit herunterregeln. Bei etwa ±6 V ist Schluss. Wer das besser machen will, gibt dem OPV eine eigene Versorgungsspannung, die nicht mitgeregelt wird.

Die zweite Lehre betrifft das RC-Glied am Ausgang. Es sieht auf dem Schaltplan nach einem Detail aus, das man beim Aufbau auch weglassen könnte. Der Zehnfache Ruhestrom sagt etwas anderes.