Warnblinklichtgeber reparieren statt ersetzen
Der Warnblinkschalter meines Holder A12 warf jedesmal die Sicherung. Schuld war nicht die Elektronik, sondern eine verdrehte Federklammer im Gehäuse. Im Zubehör kostet so ein Bosch 0336851008 um die 70 bis 80 Euro, die Bauteile darin nur ein paar Cent.

Eckdaten
| Bauteil | Warnblinklichtgeber Bosch 0336851008 |
|---|---|
| Fahrzeug | Holder A12, Schmalspurschlepper, Baujahr 1959 |
| Gehäuse | Aluminium, durch Zurückbiegen der Haltenasen zu öffnen |
| Schaltung | astabile Kippstufe mit zwei PNP-Transistoren 557A |
| Elko-Kapazität gemessen | rund 100 µF |
| Relaisspule gemessen | 80 Ω |
| Fehlerursache | verdrehte Federklammer im Gehäuse mit Kontakt zur Platine |
| Prüfaufbau | Netzteil 12 V mit Strombegrenzung auf 200 mA |
| Ersatzteilpreis | 70 bis 80 € im Zubehör |
Ziel
An meinem Holder A12 stand die Neuverlegung der Elektrik an. Den Schmalspurschlepper hatte ich vorher mechanisch komplett restauriert und neu lackiert, da gehörte die Elektrik dazu.
Der Warnblinkschalter machte dabei mehr Arbeit als der Rest: Jedesmal, wenn ich ihn zog, also einschaltete, brannte die Schmelzsicherung durch. Nachdem sich ein kleiner Haufen kaputter Sicherungen angesammelt hatte, konnte es eigentlich nur noch der Schalter selbst sein.
Aufbau des Schalters
Das Gehäuse ist aus Aluminium und lässt sich leicht öffnen, indem man die Haltenasen auf der Rückseite zurückbiegt. Darin stecken eine Platine und ein schwarzer Kontaktträger.

Interessant ist der elektromechanische Aufbau. Beim Ziehen des Schalters wird die Platine mitbewegt, wodurch sich ihre Position auf den Kontaktnasen verändert. Das ist die eigentliche Schaltfunktion, ganz ohne Kontaktsatz im üblichen Sinn.


Auf der Platine sitzen drei Elkos, einige Widerstände und zwei PNP-Transistoren vom Typ 557A sowie ein Relais. Transistoren, Widerstände und Elkos bilden eine astabile Kippstufe. Sie steuert das Relais an, das die Blinker schaltet. So einfach ist das.
Fehlersuche
Der Schalter stammt zwar aus einem Schlepper von 1959, wurde aber nachträglich nachgerüstet. Sein Baujahr dürfte in den 1970ern oder 1980ern liegen.
Mein erster Verdacht waren die Elkos. Die gehen mit dem Alter durch Austrocknung gerne kaputt und verursachen Kurzschlüsse. Der Reihe nach durchgemessen:
| Prüfschritt | Messwert | Bewertung |
|---|---|---|
| Elkos auf Kurzschluss | kein Kurzschluss | in Ordnung |
| Elko-Kapazität | rund 100 µF | in Ordnung |
| Transistor, Kollektor-Emitter | kein Kurzschluss | in Ordnung |
| Transistor, Basis-Emitter | −0,7 V Diodenspannung | in Ordnung, Vorzeichen wegen PNP |
| Relaisspule | 80 Ω | unauffällig |
Damit war die Elektronik durch und alles in Ordnung. Viel mehr konnte da eigentlich nicht mehr defekt sein.
Also die Platine unter dem Mikroskop angesehen: etwas Dreck und ein paar Fussel. Schnell mit Platinenreiniger gesäubert und ab zum Test mit einem Netzteil an 12 V und 200 mA Strombegrenzung.
Beim Zusammenbau nach dem Test fiel es dann auf: Die Federklammer im Gehäuse war verdreht und konnte so an die Platine kommen. Mit einem Schraubendreher und dem im Schraubstock eingespannten Gehäuse habe ich sie gerade gerückt. Zusammengebaut, läuft.
Ergebnis
Der Fehler saß nicht in der Schaltung, sondern in der Mechanik. Das ist die eigentliche Lehre aus dem Fall: Wenn jedes Bauteil einzeln in Ordnung ist und die Sicherung trotzdem fliegt, lohnt der Blick auf alles, was im zusammengebauten Zustand irgendwo anliegen könnte.
Der Versuch einer Reparatur lohnt sich bei so einem Schalter auf jeden Fall. Man braucht eigentlich nur ein etwas besseres Multimeter. Im Zubehör kosten die Warnblinklichtschalter 70 bis 80 €, die Bauteile darin nur wenige Cent.
