FreiraumwelleDL8STWLieber Wellen reiten, als Bits schubsen
Ausschnitt einer rauscharmen Verstärkerbaugruppe in Mikrostreifenleitungstechnik

Schaltungstechnik

Wozu eine Freilaufdiode gut ist

Wird eine Relaisspule ohne Freilaufdiode abgeschaltet, entsteht durch Selbstinduktion eine hohe Überspannung. In der LTspice-Simulation mit einer 400-mH-Spule sind es über 200 V, während der schaltende IRF510 laut Datenblatt nur 100 V verträgt.

LTspice-Schaltplan: Spannungsquelle 12 V mit 5 Ω Innenwiderstand, Spule L1 mit 400 mH, parallel dazu die Freilaufdiode D1, darunter der MOSFET IRF510 als Schalter mit Pulsquelle am Gate

Eckdaten

Induktive Last400 mH · entspricht der Spule des Koaxialrelais Tohtsu CX-120P
SchalterMOSFET IRF510
Zulässige Drain-Source-Spannung100 V · laut Datenblatt des IRF510
Simulierte Überspannung ohne Diodeüber 200 V
Betriebsspannung12 V, Innenwiderstand 5 Ω
AnsteuerungPulsquelle 0 bis 5 V, Flanken je 10 ms · bewusst langsam, schnellere Flanken erzeugen weit höhere Spitzen
DurchschaltschwelleU_G = 4 V
SimulationLTspice, Transientenanalyse über 50 ms, Schrittweite 1 µs

Ziel

Eine Freilaufdiode wird parallel zu einer induktiven Last geschaltet. Warum das nötig ist, lässt sich schlecht behaupten und gut zeigen. Deshalb hier eine Simulation.

Als Anwendungsbeispiel dient die Spule des Koaxialrelais Tohtsu CX-120P mit 400 mH. Geschaltet wird sie von einem MOSFET vom Typ IRF510.

Aufbau der Simulation

Die Schaltung in LTspice besteht aus einer Spannungsquelle mit 12 V und 5 Ω Innenwiderstand, der Spule mit 400 mH, der Freilaufdiode parallel dazu und dem IRF510 als Schalter. Eine Pulsquelle steuert das Gate von 0 auf 5 V, mit Flanken von je 10 ms.

LTspice-Schaltplan: Spannungsquelle 12 V mit 5 Ω Innenwiderstand, Spule L1 mit 400 mH, parallel dazu die Freilaufdiode D1, darunter der MOSFET IRF510 als Schalter mit Pulsquelle am Gate

Bestimmt werden die Schaltspannung U_G am Gate des Schalt-FETs und die Drain-Source-Spannung U_D.

Ergebnis mit Diode

Mit Freilaufdiode sieht alles wunderbar aus. Das FET schaltet bei U_G = 4 V durch, und das Relais würde anziehen.

Simulationsergebnis mit Freilaufdiode: Gatespannung als flache Rampe, die Drain-Source-Spannung bleibt über den gesamten Verlauf im niedrigen Bereich ohne Spitze

Die Wirkung der Diode lässt sich am Strom durch sie zeigen. In dem Moment, in dem die Spule eine hohe Spannung induzieren möchte, führt das zu einem Stromfluss durch die Diode. Dieser Strom wirkt der Selbstinduktion entgegen, weil es so zu keiner schnellen Stromänderung kommt.

Simulationsergebnis mit dem zusätzlich dargestellten Diodenstrom in Rot, der genau im Abschaltmoment einsetzt

Ergebnis ohne Diode

Wird die Freilaufdiode entfernt, ändert sich das Ganze dramatisch. Beim Einschalten ist noch alles in Ordnung. Beim Ausschalten entsteht durch die Selbstinduktion der Spule jedoch eine hohe Überspannung. In dem simulierten Beispiel mehr als 200 V.

Simulationsergebnis ohne Freilaufdiode: beim Abschalten schießt die Drain-Source-Spannung als schmale Nadel auf über 200 V hoch

Das MOS-FET IRF510 besitzt nach Datenblatt eine maximal zulässige Drain-Source-Spannung von 100 V und würde wahrscheinlich zerstört werden.

Dabei ist das Beispiel noch recht harmlos, wenn man sich die Flankensteilheit der Gatespannung ansieht. Zehn Millisekunden sind für einen Schaltvorgang ausgesprochen gemütlich. Wird die Spule schneller geschaltet, lassen sich leicht einige hundert Volt Überspannung erzeugen. Die Größe der selbstinduzierten Spannung folgt

u = −L · di/dt

und wächst damit direkt mit der Geschwindigkeit der Stromänderung.

Fazit

Die Diode kostet ein paar Cent und steht in jeder Grabbelkiste. Der FET dahinter kostet mehr, und der Ärger bei der Fehlersuche noch einmal deutlich mehr, weil ein durch Überspannung gestorbener MOSFET oft erst nach ein paar Schaltzyklen ausfällt und sich dann sporadisch verhält.